Der Anschluss, wenn keine Leitung kommt
Satelliteninternet ist an jeder Adresse mit freiem Blick zum Himmel verfügbar; das ist sein einziger, aber entscheidender Vorteil. Alles andere ist eine Frage des Preises und einer Größe, die in keiner Werbung groß steht: der Höhe, in der die Satelliten fliegen.
Warum die Umlaufbahn alles entscheidet
Klassische Satellitendienste arbeiten mit geostationären Satelliten. Die stehen fest über einem Punkt der Erde, und das funktioniert nur in rund 36.000 Kilometern Höhe. Das Signal muss diese Strecke hin und zurück zurücklegen. Physikalisch bedingt vergehen dabei mehrere hundert Millisekunden, bevor die erste Antwort ankommt.
Neuere Dienste nutzen erdnahe Umlaufbahnen in wenigen hundert Kilometern Höhe. Der Weg ist damit rund hundertmal kürzer, und die Verzögerung fällt in eine Größenordnung, die man im Alltag nicht mehr bemerkt. Der Preis dafür: Ein einzelner Satellit steht nicht still, also braucht es sehr viele davon und eine Antenne, die ihnen folgt.
Was die Verzögerung praktisch bedeutet
- Seiten laden, Videos schauen, Dateien herunterladen – funktioniert auch geostationär gut. Der Datenstrom läuft, sobald er einmal angelaufen ist.
- Videotelefonie – geostationär spürbar zäh: Man fällt sich ins Wort, weil die Gegenseite eine halbe Sekunde später reagiert.
- Spiele mit schneller Reaktion – geostationär unbrauchbar, in erdnaher Umlaufbahn machbar.
Was es kostet
Zwei Posten, und der zweite wird gern übersehen: die monatliche Gebühr und die Hardware. Antenne und Modem sind hier kein Leihgerät für ein paar Euro, sondern eine Anschaffung im dreistelligen Bereich, bei erdnahen Diensten auch darüber. Wer über die Laufzeit rechnet – und das ist die einzige sinnvolle Rechnung –, muss diesen Betrag mit hineinnehmen.
Dazu kommt bei den meisten Anbietern ein Datenvolumen, nach dessen Verbrauch gedrosselt wird. Unbegrenzt ist hier die Ausnahme.
Der Aufbau
Die Antenne braucht freie Sicht in die richtige Richtung: geostationär nach Süden, in einem recht flachen Winkel. Ein Baum, ein Nachbargebäude oder ein Dachüberstand genügen, um den Anschluss unbrauchbar zu machen. Bei Mietwohnungen kommt die Zustimmung des Vermieters dazu.
Wann er sich lohnt
Wenn DSL nur einstellige Werte liefert, kein Kabelnetz liegt und der Mobilfunkempfang am Haus schlecht ist. In dieser Reihenfolge sollte man prüfen: Ein 5G-Router am Fenster ist fast immer die billigere und schnellere Lösung, wenn er überhaupt geht.